Wenn mich jemand fragt, welches Werkzeug ich am liebsten benutze, kommt die Antwort ohne Zögern: EVE-NG. Es ist die Spielwiese, auf der ich Netzwerke baue, kaputt mache und verstehe — ohne dass jemand anruft, weil die Produktion steht.

Was EVE-NG ist

EVE-NG (Emulated Virtual Environment – Next Generation) ist eine Emulationsplattform für Netzwerke. Vereinfacht gesagt: ein Programm, in dem ich komplette Netze aus echten Geräte-Images zusammenklicke. Router, Switches, Firewalls und Server ziehe ich per Drag-and-drop auf eine Zeichenfläche, verbinde sie mit virtuellen Kabeln und starte sie — und sie verhalten sich wie die echte Hardware, weil darin dieselben Betriebssysteme laufen.

Und zwar quer über die Hersteller hinweg:

  • Cisco in allen Spielarten — IOS, IOS XE, NX-OS, IOL
  • Arista, Juniper und weitere Router- und Switch-Plattformen
  • Firewalls von Fortinet, Palo Alto und anderen
  • dazu Linux- und Windows-Server oder Docker-Container als Endgeräte

Multi-Vendor in einer einzigen Topologie — also genau das, was in echten Umgebungen zusammenkommt und sich sonst nur mit einem Schrank voller teurer Hardware nachstellen ließe.

Alles läuft im Browser

Kein dicker Client, keine Installation auf dem Arbeitsrechner. EVE-NG läuft auf einem Server oder in einer VM, ich öffne es im Browser und arbeite direkt an den Konsolen der Geräte. Ein Lab ist am Ende eine Datei: Ich kann es speichern, weitergeben und beim nächsten Mal genau da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Was ich damit mache

Der wichtigste Fall ist der Alltag: Änderungen testen, bevor sie in die Produktion gehen. Ein neues Routing-Design, eine Firewall-Regel, das Verhalten einer bestimmten Firmware — ich baue es im Lab nach und probiere so lange, bis ich verstanden habe, warum es funktioniert oder eben nicht.

Dazu kommt das ruhige Lernen: einem Protokoll bei der Arbeit zusehen, ein BGP-Problem gezielt provozieren, eine Zertifizierung vorbereiten. Und das Nachstellen von Fehlern — wenn im Betrieb etwas seltsam ist, baue ich die Situation im Lab nach und kann sie ohne Zeitdruck auseinandernehmen.

Warum es mich begeistert

Weil es die Angst aus der Arbeit nimmt. Im Lab darf ich alles kaputt machen — ein falscher Befehl legt keine echte Leitung lahm, sondern nur eine virtuelle, die zwei Klicks später wieder läuft. Diese Freiheit verändert, wie man lernt: Man probiert mehr, traut sich an Dinge heran, die man an produktiver Hardware nie riskieren würde, und versteht am Ende nicht nur dass etwas geht, sondern warum.

Genau deshalb ist EVE-NG für mich nicht bloß ein Werkzeug, sondern der Ort, an dem ich am meisten über Netzwerke lerne. Ehrlich gesagt: Ich finde es genial — und das merkt man wahrscheinlich.